Oliver Moragues

Sommer im Weinberg und die Weinlese auf Mallorca: Von der Véraison bis zur Handlese

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Der Sommer markiert die letzte und zugleich entscheidendste Phase des jährlichen Vegetationszyklus der Weinberge von Oliver Moragues. Nach dem kräftigen Wachstum im Frühling und der empfindlichen Blüte konzentrieren die Rebstöcke nun ihre gesamte Energie auf die Entwicklung und Reifung der Trauben, die den Charakter des neuen Jahrgangs bestimmen werden.

Bei Oliver Moragues liegen unsere Weinberge am Fuße des Randa-Berges auf einer Höhe von 265 Metern über dem Meeresspiegel, umgeben von mediterranen Pinien- und Steineichenwäldern. Diese natürliche Umgebung spielt eine wesentliche Rolle für das Mikroklima unseres Gutes. Die Höhenlage in Kombination mit den umliegenden Wäldern trägt dazu bei, die sommerlichen Temperaturen zu mildern und den Trauben eine langsame Reifung zu ermöglichen, wodurch ihre Frische und aromatische Komplexität erhalten bleiben.

Unsere Weinberge wachsen auf kalkhaltigen Lehmböden marinen Ursprungs mit tieferen Schichten aus uralten roten Tonböden (argilas rojas). Wie unser Önologe Carlos erklärt: „Diese Böden eignen sich besonders gut für die traditionellen Rebsorten Mallorcas. Sie ermöglichen den Reben die Ausbildung tiefer Wurzelsysteme und sorgen selbst während der heißesten Monate des mediterranen Sommers für ein ausgewogenes Wachstum.“

Das Laubmanagement während der heißesten Sommermonate

Während der Sommermonate konzentriert sich die Arbeit im Weinberg vor allem auf das Laubmanagement. Die Blätter, die die Trauben umgeben, bilden eine natürliche Schutzschicht, welche die Sonneneinstrahlung und die Temperatur rund um die Trauben reguliert.

In einem mediterranen Klima wie auf Mallorca ist dieses Gleichgewicht von entscheidender Bedeutung. Zu viel direkte Sonneneinstrahlung kann die Zuckeranreicherung beschleunigen und zu einem Verlust an Säure führen, während zu viel Schatten die Reifung verzögert und die Entwicklung der Aromen beeinträchtigen kann. Deshalb beobachtet unser Weinbergsteam jede einzelne Parzelle sorgfältig, um sicherzustellen, dass das Blätterdach das optimale Mikroklima für die Trauben schafft.

Unser Ansatz setzt auf natürliche Beschattung anstelle einer intensiven Entblätterung. Dadurch können die Trauben langsam und gleichmäßig reifen und gleichzeitig die Frische bewahren, die unsere Weine auszeichnet.

Dies ist besonders wichtig für Rebsorten wie Prensal Blanc und Giró Ros, deren feine Aromatik von einer langsamen und ausgewogenen Reifung profitiert. Auch bei unseren roten Rebsorten – Callet, Manto Negro, Escursach und Gorgollassa – ist ein gesundes Blätterdach entscheidend, um feine Tannine und eine ausgewogene phenolische Reife zu erreichen. Alle diese Rebsorten können bei einer unserer täglich stattfindenden Weinverkostungen in unserem Weingut verkostet werden.

Bodenvitalität und regenerative Weinbaupraktiken

Die Arbeiten, die bereits zu Beginn des Jahres durch den Einsatz von Begrünung und organischem Kompost durchgeführt wurden, spielen auch während der Sommermonate eine wichtige Rolle.

Durch die Einarbeitung natürlicher Vegetation in den Boden und den Erhalt eines hohen Anteils an organischer Substanz fördern wir einen lebendigen Boden mit einer reichen mikrobiellen Aktivität. Dadurch verbessert sich die Bodenstruktur, und der Boden kann während trockener Perioden Feuchtigkeit effizienter speichern.

Die tiefen Wurzelsysteme, die sich über viele Jahre regenerativer Bewirtschaftung entwickelt haben, ermöglichen den Rebstöcken den Zugang zu Wasserreserven, die in den tieferen Schichten aus Ton und Kalkstein gespeichert sind. Diese natürliche Widerstandsfähigkeit reduziert den Stress während der heißen mediterranen Sommermonate und trägt zu einem gleichmäßigen Reifeverlauf der Trauben bei.

So funktioniert das Ökosystem des Weinbergs als ausgewogenes Ganzes: Bodenleben, Rebenwachstum und die umliegende Biodiversität wirken gemeinsam daran mit, eine gesunde Entwicklung der Trauben zu fördern.

Der Moment, in dem sich die Trauben verwandeln

Etwa zur Mitte des Sommers erreicht der Weinberg eine seiner eindrucksvollsten Entwicklungsphasen: die Véraison, den Beginn der Traubenreife.

In diesem Stadium beginnen die Beeren weicher zu werden und ihre Farbe zu verändern. Weiße Rebsorten wie Prensal Blanc und Giró Ros nehmen nach und nach goldene Farbtöne an, während die roten Sorten ihre charakteristischen Farben entwickeln – von den helleren Nuancen des Callet bis zur intensiven Pigmentierung von Escursach und Manto Negro.

Die Véraison markiert den Beginn der letzten Reifephase. Von diesem Zeitpunkt an reichern die Trauben Zucker an, während der Säuregehalt allmählich abnimmt und sich die aromatischen Verbindungen in den Beerenschalen entwickeln.

Während dieser Phase überwacht unser Weinbergsteam die Entwicklung der Trauben besonders aufmerksam. Durch regelmäßige Verkostungen der Beeren verfolgen wir die Entwicklung von Geschmack, Textur und phenolischer Reife, um den optimalen Zeitpunkt für die Weinlese zu bestimmen.

Die Handlese der autochthonen Rebsorten Mallorcas

Die Weinlese ist der Höhepunkt eines ganzen Jahres sorgfältiger Arbeit im Weinberg. Bei Oliver Moragues werden sämtliche Trauben von Hand in unseren eigenen Weinbergen gelesen – eine Tradition, die seit Jahrhunderten fester Bestandteil unseres Gutes ist.

Unsere Familie bewirtschaftet dieses Land seit dem Jahr 1511, und die Weinberge rund um das historische Herrenhaus sind bis heute ein wesentlicher Bestandteil dieses Erbes.

Jede Rebsorte wird getrennt und genau zum optimalen Reifezeitpunkt geerntet. Die weißen Sorten wie Prensal Blanc und Giró Ros werden in der Regel zuerst gelesen, um ihre lebendige Säure und aromatische Frische zu bewahren. Die roten Sorten – Callet, Manto Negro, Escursach und Gorgollassa – folgen meist etwas später, sobald Tannine und phenolische Verbindungen ihre vollständige Reife erreicht haben.

Anstatt alle Weinberge gleichzeitig zu ernten, lesen wir Parzelle für Parzelle und wählen in jedem Weinberg ausschließlich die besten Trauben sorgfältig aus.

Die Handlese ermöglicht es unserem Team, ausschließlich die gesündesten Trauben auszuwählen und sicherzustellen, dass das Lesegut in perfektem Zustand im Weinkeller ankommt. Diese Methode ist besonders wichtig für die autochthonen Rebsorten Mallorcas, die häufig kleinere Trauben hervorbringen und von einer besonders schonenden Behandlung profitieren.

Vom Weinberg in den Weinkeller

Nach der Lese werden die Trauben zügig in den Weinkeller transportiert, wo ihre Verwandlung vom Lesegut zum Wein beginnt.

Die Tage der Weinlese sind stets intensiv, aber zugleich außerordentlich erfüllend. Nach Monaten sorgfältiger Arbeit im Weinberg – vom Rebschnitt im Winter bis zum Laubmanagement im Sommer – erreichen die Trauben schließlich den Keller und bringen den vollständigen Ausdruck der Landschaft mit, in der sie gewachsen sind.

Für uns bedeutet jede Weinlese weit mehr als nur das Ende eines Vegetationszyklus. Sie ist ein weiteres Kapitel einer Geschichte, die sich seit mehr als fünf Jahrhunderten in diesen Weinbergen entfaltet – geprägt von den autochthonen Rebsorten Mallorcas, lebendigen Böden und der mediterranen Landschaft, die sie umgibt.

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